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Experimentelle Urologie

 

Forschung

Die Experimentelle Urologie der Universitätsmedizin Göttingen bearbeitet verschiedene aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen in der Urologie. Unter der Leitung des Dipl.-Biologen Priv.-Doz. Dr. Paul Thelen, unterstützt durch die MTA Fr. Striepe, werden moderne molekularbiologische Techniken im Rahmen der wissenschaftlichen Projekte eingesetzt. Die Experimentelle Urologie bietet Studenten und Ärzten die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Laufbahn.


Adresse:

Privatdozent Dr. rer. nat. Paul Thelen
Urologische Klinik und Poliklinik
Universitätsmedizin Göttingen
Georg-August-Universität
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
E-Mail: pthelen@gwdg.de

 

Aktuell:

DFG fördert Forschung an der Klinik für Urologie zu Prostatakrebs

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ein interdisziplinäres Forschungsprojekt an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zum fortgeschrittenen Prostatakarzinom mit 540.000 Euro über drei Jahre. Die Forschungsgruppe um Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Paul Thelen aus der Klinik für Urologie sucht in ihrem Projekt nach molekularen Therapieansätzen für das bisher unheilbare metastasierte Prostatakarzinom. „Die Forschungsarbeiten der Arbeitsgruppe stärken die uro-onkologische Kompetenz an der Klinik für Urologie. Das Ziel ist es, zukünftig bei der Diagnose ‚Prostatakarzinom’ vielfältige interdisziplinäre Therapiekonzepte anbieten zu können und dabei auf neueste Erkenntnisse der Forschung zurückzugreifen. Insbesondere die Therapie von Metastasen ist für betroffene Patienten von herausragendem Interesse.“ Hat der Prostatakrebs bereits Metastasen gebildet, wird er meistens medikamentös behandelt. Diese Therapie zielt vor allem darauf ab, die männlichen Wachstumshormone zu unterdrücken. Denn bei fast allen Patienten mit Prostatakarzinom wachsen die Tumorzellen hormonabhängig. Vor allem männliche Geschlechtshormone, so genannte Androgene wie das Testosteron, fördern das Tumorwachstum. Bisher bekannt ist: Wird dem Prostatakrebs Testosteron entzogen, vermehrt er sich nicht mehr. Die Wirkung ist jedoch nur vorübergehend. Die bösartige Wucherung wird nicht auf Dauer gehemmt. Sie widersetzt sich dem Hormonentzug und es entstehen neue Tumorzellen, die für die gewählten Therapien unempfindlich sind. Der Grund dafür ist: Der Tumor wehrt sich gegen den Entzug mit einer Vielzahl an Ausweichmanövern und Resistenzmechanismen. Regiert der Tumor auf keinerlei Therapie mehr, nennt man diesen ein kastrationsresistentes Prostatakarzinom.


DEN GEGENSPIELER DES TUMORS AKTIVIEREN

Die Arbeitsgruppe aus Urologie, Humangenetik, Endokrinologie und Pathologie der UMG hat konkrete Vorstellungen von den molekularen Ausweichmanövern des Tumors. In vorangegangenen Forschungsprojekten haben sie einen Rezeptor für weibliche Hormone untersucht, der ein Gegenspieler für die bösartigen Androgen-Signale ist. Auch im männlichen Stoffwechsel und in der Prostata sind weibliche Hormone, auch Östrogene genannt, vorhanden. Sie bremsen das Wachstum von Tumorzellen auf natürlichem Wege. Kommt es zu einer Tumorerkrankung der Prostata, werden diese Östrogen-Rezeptoren jedoch beseitigt. Dies geschieht schon in einem frühen Stadium der Erkrankung. In laufenden Projekten untersucht die Arbeitsgruppe jetzt in Modellen der Tumorerkrankung, in welchen Stadien der Einsatz des Östrogen-Rezeptors dem Prostatakrebs vorbeugen kann. Außerdem wollen sie herausfinden, mit welchen östrogenartigen Wirkstoffen sich die bösartigen Signalwege von Androgenen beeinflussen lassen, ohne dass der Tumor Resistenzen gegen die Behandlung bilden kann. „Die neuen, experimentellen Therapieansätze müssen nicht zwingend zu einer vollständigen Beseitigung des Tumors führen. Sie sollen aber bösartige Signalwege der Tumorzellen selektiv regulieren oder hinauszögern. Auf diesem Weg können die meisten Patienten mit Prostatakarzinom wertvolle Lebenszeit dazu gewinnen und sogar mit der Erkrankung ein normales Alter erreichen“, sagt Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Paul Thelen. Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung für Männer in Deutschland. Jedes Jahr gibt es 60.000 Neuerkrankungen. Wird der Krebs frühzeitig erkannt und ist nur auf die Prostata begrenzt, ist er meistens heilbar. Der Tumor wird entweder mit Hilfe einer Strahlentherapie behandelt oder operativ entfernt. Neue operative Verfahren wie die DaVinci-Roboter-Chirurgie ermöglichen einen minimal-invasiven operativen Ansatz.


 

Protstatakarzinomzelle und der β-Östrogenrezeptors.
Grafik: Dr. Mark Stettner

Forschungsschwerpunkte: Funktionsanalysen zur Bedeutung des Östrogenrezeptor-β im Prostatakarzinom

Antiandrogene Wirkung von Histon-Deacetylase-Inhibitoren und Östrogenrezeptor-β-selektiven Liganden

Intermittierende Androgendeprivation in Modellsystemen des kastrations-resistenten Prostatakarzinoms

Expressions- und Funktionsanalysen zur CYP17A1-Inhibition durch Abirateron-Acetat

Untersuchung der Resistenzmechanismen unter Anwendung des CYP17A1-Inhibitors Abirateron Acetat

Analyse anti-tumoröser Eigenschaften von Bisphosphonaten

Untersuchungen des Präventions- bzw. Therapiepotenzials von Wirkstoffen pflanzlichen Ursprungs für hormon-abhängige Tumoren

Therapieoptionen bei verschiedenen Ausprägungen der Kastrationsresistenz des Prostatakarzinoms

Funktionsanalyse relevanter Faktoren der Androgenrezeptorachse durch RNA-Interferenz

Publikationen: 2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
Mitgliedschaften: Deutsches Prostatakarzinom-Konsortium
(DPKK: http://www.dpkk.de)
Arbeitskreis Prävention, Umwelt und Komplementärmedizin (PUK)
Drittmittelförderungen: EU-gefördertes Project (E)UROESTROGEN(E)S: Oestrogens and age-related urogenital diseases, basic and clinical approaches (2001-2004)
Horst-Müggenburg-Stiftung: Erprobung von Präventionsstrategien und Therapien des Prostatakarzinoms mit Wirkstoffen pflanzlichen Ursprungs (2005 - 2012)
Deutsche Krebshilfe e.V.: Der Einfluss des Phyto-Östrogens Tectorigenin auf das Insulin-like-Growth-Factor-System im Prostatakarzinom (2008 - 2012)
Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (2010 - 2011)
Wissenschaftspreise: Peter-Bischoff-Preis 2005: Pharmakologische Ansätze für Phyto-Östrogene in der Therapie des hormon-refraktären Prostatalkarzinoms
1. Forschungspreis des Symposium “Experimentelle Urologie“ 2006: Funktionsanalyse von NKX3.1 in LNCaP-Zellen mittels RNAi